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Borderline - Persönlichkeit

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Die schwarzweiße Welt der "Borderline-Persönlichkeit", zitiert nach Kreismann/Straus:

Der Name verführt zur Annahme, bei diesem Syndrom handle es sich um eine harmlose psychische Erkrankung, gewissermaßen an der "Grenzlinie" zu den ernsteren Geisteskrankheiten wie Paranoia, Schizophrenie usw.. - Diese Annahme ist unrichtig.

Borderline bezeichnet eine schwere, destruktiv verlaufende Persönlichkeitsspaltung mit vielfältigen Erscheinungsbildern, die ein Arzt nur sehr unzureichend erkennt, dem betroffenen Patienten zumeist noch unzureichender erklären kann.

Wohl wurde erkannt, dass diese Krankheit, die sich nur schwer behandeln lässt, sehr bösartig ist. Oftmals als "Psychopathie", als Phänomen der "Paranoia" oder "Neurose" beschrieben, wurde jedoch beobachtet, dass diese Patienten viel kränker waren als die Neurotiker.

Erst 1980, nochmals verbessert 1987 wurde von der American Psychiatric Association ein Kriterienkatalog erstellt, das sog. DSM III-R, anhand dessen sich die Borderline-Persönlichkeit heute ziemlich eindeutig diagnostizieren lässt.

Acht Kriterien wurden aufgestellt und ausführlich beschrieben, von denen fünf vorhanden sein müssen, um eine eindeutige Diagnose zu treffen.

  1. ist ein fehlendes Selbstwertgefühl ein primäres Charakteristikum der Borderline-Symptomatik (damit verwandt ist auch die narzistische Persönlichkeitsstörung): u.a. affektive Instabilität, mangelnde Impulskontrolle, intensive emotionale Beziehungen, die erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit eines Betroffenen haben, interpersonale Kontakte aufzunehmen und aufrechtzuerhalten.
  2. unerwartet auftretende Stimmungsschwankungen, unkontrollierte Zornausbrüche, unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen, häufiger Wechsel des sozialen Umfeldes.
  3. das Fehlen einer grundlegenden Selbstidentität: (längere Zeiten von Zufriedenheit und Harmonie sind dem Betroffenen fremd; er wird von einer chronischen Leere zerfressen.) Wenn die Borderline-Persönlichkeit ein Stimmungstief im Griff hat, ist sie mitunter äußerst destruktiv gegen andere, sieht sich selbst dabei aber stets als ein Opfer. Er empfindet und erzeugt Selbstmitleid, zeigt aber kein Mitleid für andere.
  4. ist der Borderliner emotional gesehen wie ein Kind, er kann menschliche Widersprüche und Ambivalenzen nicht wahrnehmen oder tolerieren. Seine Welt ist wie die eines Kindes in Helden und Bösewichte eingeteilt (Wir, die Guten und die anderen, die bösen Feinde.)
  5. muss die Borderline-Persönlichkeit ihr eindimensionales Denken drastisch umstrukturieren, wenn ein idealisierter Mensch zur Enttäuschung wird (was früher oder später immer geschieht). Aus dem Idol wird der gehasste Feind. Diese Art von Verhalten, die als "Spaltung" bezeichnet wird, ist der primäre Verteidigungsmechanismus, den die Borderline-Persönlichkeit anwendet
  6. ist für die Borderline-Persönlichkeit charakteristisch, sich hin und her zu bewegen, wobei sie einen Gefühlszustand völlig vergißt, wenn sie sich in einem anderen befindet.
  7. Hier hingegen besitzt der gesunde Mensch die Befähigung zur "Ambivalenz", er kann zwei sich widersprechende Gefühlszustände kausal zueinander bewerten und erfahren.
  8. repräsentiert der Borderline-Kranke zwei parallel existierende Persönlichkeiten, kann von einer zur anderen und wieder zurück wechseln.
  9. Dies geschieht unvermutet, von einem Moment zum anderen. In einer Stunde vom Zorn erfüllt, in der nächsten von Ruhe, hat der Kranke meistens keine Ahnung, warum er zu solchem Zorn getrieben wurde.
  10. kann die Unfähigkeit die Ursachen dafür zu erkennen zu immer größeren (Selbst)Hass führen. Diesen Hass projiziert der Kranke auf andere.
    Vergleichbar mit der paranoiden Projektion: i.S.v. Verfolgungs - und Beschuldigungswahn: was der andere tut oder nicht tut wird als gegen einen selbst interpretiert.

Zu den vielfältigen Symptomen, die auf eine Borderline-Erkrankung hinweisen, zählt neben narzistischem Verhalten auch die Magersucht, die Bulimie, und andere potentiell selbstschädigende Verhaltensweisen wie Drogen -, Alkoholmißbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, übermäßiges Essen, wiederkehrende Selbstmorddrohung oder Suizidversuche, Selbstverstümmelung.

Die Borderline-Persönlichkeit wird durch die Eltern-Kind-Interaktion weitergegeben und nicht auf genetischem Weg. Die Faktoren, die zum Borderline Syndrom führen, erstrecken sich über Generationen. Patienten haben oft Mütter mit der selben Störung, deren Mütter wiederum unter demselben Syndrom gelitten haben.

Oft war die Borderline Kindheit ein wüstes Schlachtfeld, gekennzeichnet durch Trennung und Scheidung der Eltern, die Trümmer gleichgültiger, abweisender oder fehlender Eltern, durch emotionale Deprivation und chronische Ausbeutung.

Sachverständige für Entwicklungsfragen sind sich einig, dass Kinder, die mit familiärer Unruhe, Instabilität aufwachsen, ein viel größeres Risiko laufen, in der Jugend oder im Erwachsenenalter unter emotionalen oder psychischen Problemen zu leiden.

Zudem sind die Kinder unter derartigen Umständen in Gefahr, Streß, Schuldgefühle oder ein niedriges Selbstwertgefühl zu entwickeln, alles Merkmale, die mit Borderline Persönlichkeitsstörungen in Verbindung stehen.

Diese instabilen Beziehungen werden in die Pubertät und das Erwachsenenalter übertragen, so dass Bindungen später meist ebenfalls nur von kurzer Dauer sind.

Es fällt dem Borderline-Kranken äußerst schwer, die optimale psychische Distanz zu anderen Menschen abzumessen. als Ausgleich wechselt das Verhalten von klammernder Abhängigkeit zu zorniger Manipulation, von Dankbarkeitsergüssen zu irrationalen Hass.

Die Borderline-Persönlichkeit sehnt sich nach Intimität und hat gleichzeitig schreckliche Angst vor ihr. Sie stößt jene ab, zu denen sie am meisten Verbindung sucht.

Die Borderline-Persönlichkeit ist im Kern bindungsunfähig, sie bemüht sich an einem Tag um einen Mann (Frau), um ihn am nächsten Tag abzuservieren.

Längere Bindungen - die meistens in Wochen oder Monaten gemessen werden statt in Jahren - sind meistens turbulent und von Zorn, Verwunderung und Erregung erfüllt.

Zwischen ihren Stimmungsschwankungen führen diese Menschen ein relativ normales, unauffälliges Leben.
Für den Borderline-Kranken ist jedoch ein großer Teil des Lebens eine unbarmherzige, emotionale Achterbahnfahrt ohne offensichtliches Ziel.

Für jene, die mit der Borderline-Persönlichkeit zusammenleben, einen von der Störung betroffenen Menschen lieben oder ihn als Arzt behandeln, kann diese Reise genauso hoffnungslos und frustrierend sein."

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